Pädagogische Qualifizierung auszubildender Fachkräfte und Online Unterstützungssystem für die Ausbildung.

 

Der Modellversuch erarbeitete ein umfassendes Unterstützungskonzept, das ausbildende Fachkräfte pädagogisch qualifiziert und online-gestützt durch die Ausbildung führt. Wesentliches Arbeitsmittel sind Lern- und Arbeitsaufgaben. Die Fachkräfte lernen Lern- und Arbeitsaufgaben zu gestalten und anzuwenden. Ziel ist die erfolgreiche Bewältigung der Abschlußprüfung, insbesondere des betrieblichen Auftrags.

Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur und vom Europäischen Sozialfonds.

Fachlich betreut durch das Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB
Heinz Holz, Leiter des Arbeitsbereichs 3.3 Modellversuche
Tel.: 0228/107-1517

Laufzeit: 01.09.2002 bis 28.02.2006

Projektleiter der wissenschaftlichen Begleitung:
Ansprechpartner bei isob: Alexander Krauß (isob GmbH) (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Durchführungsträger: ProteGe GmbH Gutenbergstraße 2
07973 Greiz

Ansprechpartner:
Petra Zemlin
Tel.: 03661/ 7049-0 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Internet: (http://www.protege.de)

 

Problemlage
Der technisch ökonomische Wandel in der Wirtschaft ist zum Alltag geworden. In modernen Unternehmen werden in den Produktionsabteilungen immer mehr Arbeiten im Team erledigt, das dann meist nicht nur für den produktiven Ablauf sondern auch für die Qualität des Produktes verantwortlich ist.
Für die Qualifikation der in solchen Prozessen tätigen Facharbeiter bedeutet dies, dass sie nicht nur über die für Teamarbeit erforderlichen neuen Kompetenzen verfügen (z.B. Kommunikationskompetenz, Konfliktfähigkeit u.ä.) sondern auch in der in der Lage sein müssen, übergeordnete betriebswirtschaftliche Aspekte kompetent im Arbeitsvollzug zu berücksichtigen.
Daher wurde in den neuen und neu geordneten Berufen versucht, die Ausbildungsverordnungen so zu gestalten, dass die weiterhin notwendige fachliche Qualifizierung ergänzt wird durch ein erweitertes Verständnis von Handlungskompetenz. Diese soll es ermöglichen, dass die so qualifizierte Fachkraft Wirkungszusammenhänge im Betrieb erkennen und verstehen kann sowie auf dieser Grundlage den Arbeitsprozess aktiv gestalten kann.

Gestaltungsoffene Ausbildung
Diese neue Zielsetzung hat wesentliche Bedeutung für die Organisation der Ausbildung: Die absicht, eine erweiterte Handlungskompetenz zu vermitteln erfordert die Orientierung an den jeweiligen praktischen Gegebenheiten im Betrieb. Nur durch die Bewältigung realer betrieblicher Aufgabenstellungen kann souveränes Handeln im Gesamtsystem Betrieb aufgebaut werden. Damit wird während der Ausbildung der Betrieb zu dem Ort, aus dessen jeweils spezifischer Praxis heraus die Inhalte der beruflichen Qualifikation entwickelt werden. Der Betrieb wird nicht nur zu einem Ort, für den gelernt wird, an dem ein an anderer Stelle erworbenes Wissen angewandt wird oder an dem ein an anderer Stelle festgelegter Wissensinhalt erlernt werden soll, sondern die jeweils konkrete betriebliche Realität ist gleichzeitig Ausgangspunkt für die zu erlernenden Inhalte wie auch Ort für die Anwendung des Erlernten.
Diese Orientierung der Ausbildungsinhalte an der jeweils spezifischen betrieblichen Praxis soll durch die Konzeption der gestaltungsoffenen Ausbildung erreicht werden, die Lernen durch die Erarbeitung von Lern- und Arbeitsaufgaben sicherstellen soll.

Neue Anforderungen an ausbildende kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
Diese Absicht, durch die gestaltungsoffene Ausbildung Nähe zur betrieblichen Realität herzustellen, lässt damit den Betrieben notwendigerweise freie Hand bei der Gestaltung der damit implizierten Lern- und Arbeitsaufgaben. und der Integration der betriebsnahen Ausbildung mit den allgemeinen Anforderungen, die die Ausbildungsordnung an die Betriebe stellt. Die Umsetzung dieser Möglichkeiten erfordert daher von den Betrieben und den ausbildenden Fachkräften selbst Kompetenzen, die insbesondere in KMU ohne entsprechende Erfahrung nicht vorausgesetzt werden können.
Die Zusammenarbeit mit solchen Betrieben und die Entwicklung der entsprechenden Seviceangebote ist Thema des hier vorgestellten Modellversuchs.

Das Modellvorhaben
Die skizzierte Problemlage erfordert eine Zusammen-arbeit von KMU und externen Experten in zweifacher Hinsicht.
Analyse und Optimierung der Ausbildungsorganisation in den Unternehmen, sowie

  • Verbesserung der Handlungskompetenz der für die Ausbildung Verantwortlichen selbst.Im geplanten Modellvorhaben sollen daher
  • ein modulares Qualifizierungskonzept zur pädagogischen Fortbildung des Personals in der betrieblichen Ausbildung am Beispiel der Ausbildung zum Mechatroniker entwickelt und erprobt werden ebenso wie
  • ausbildungsunterstützende Materialien für KMU zur Umsetzung der gestaltungsoffenen Ausbildung

In Zusammenarbeit mit interessierten Partnerbetrieben werden entsprechende betriebsspezifische Hilfen zur Umsetzung der gestaltungsoffenen Ausbildung entwickelt und erprobt.In sogenannten "prozessbegleitenden Umsetzungsmodulen" werden pädagogische Kenntnisse zur Planung und Umsetzung moderner Ausbildungsformen vermittelt. Diese orientieren sich an den Anforderungen der betrieblichen Realität.Zusätzlich werden unterstützende und ausbildungsflankierende Materialien erstellt, mittels derer praktische Arbeitsaufgaben im Unternehmen nach den Anforderungen der betrieblichen Projektarbeit strukturiert und aufbereitet werden. Diese Materialien enthalten die einzelnen Arbeitsschritte zur Entwicklung eines Lernkonzepts: Projektorganisation, Arbeitshinweise, Aufgabenstellungen, Bewertungs und Beurteilungskategorien und die entsprechenden Materialien in Form von Checklisten, Arbeitsblättern, Bewertungsbögen für die Auszubildenden und die Ausbilder. Sie werden für Lernfelder der jeweiligen Lehrjahre erstellt und in den darauf folgenden Ausbildungsjahren erprobt.Die prozessbegleitenden Umsetzungsmodule enthalten Arbeitshilfen z.B. zur praktischen Durchführung der Ausbildung am Arbeitsplatz, der Ausbildung in Gruppen, der Dokumentation der Arbeiten sowie der Vorbereitung und Durchführung von Prüfungen.Ziel ist es, die Betriebe bei der Entwicklung und Strukturierung von Lernkonzepten so zu unterstützen, dass sie in der Lage sind, ihre Ausbildung auch ohne externe Hilfe künftigen innerbetrieblichen Entwicklungen anzupassen.Modellversuch "Ausbildungsbegleitendes Qualifizierungskonzeptwissenschaftliche Begleitung

Kausalhypothese

Moderne Ausbildungskonzepte überfordern KMU

Paradoxon: Innovation verunsichert und trägt damit zu sinkender Ausbildungsbereitschaft bei

Interventionshypothese

Unterstützung von KMU durch ausbildungsbegleitende Qualifizierung des Ausbildungspersonals mobilisiert zusätzliche Ausbildungskapazitäten

Fragestellungen für die wissenschaftliche Begleitung - Überprüfung der Kausalhypothese

Wie hat sich die Ausbildungspraxis in KMU in den letzten Jahren verändert?

Wo sehen KMU Stärken, wo Schwächen handlungsorientierter Ausbildungskonzepte?

Wie beschreiben Protagonisten der betrieblichen Ausbildung die subjektiven Herausforderungen der neuen Ausbildungspraxis?

Inwieweit erkennen die Praktiker einen Bedarf nach Erweiterung ihrer pädagogischen Qualifikationen?

In welcher Form wird dieser Bedarf formuliert?

Gibt es bei den beteiligten Betrieben eine Kultur des arbeitsintegrierten Lernens?

Sind Formen der Verknüpfung von Aus- und Weiterbildung feststellbar?

Wie ist die Lernhaltigkeit der Durchführung arbeitsintegrierter Ausbildung für die Organisation insgesamt einzuschätzen?

Führt eine arbeitsintegrierte Ausbildung nach Einschätzung der betrieblichen Praktiker zu einer reibungsloseren Integration der Auszubildenden in den Betriebsablauf oder sind hier Konfliktpotenziale erkennbar?

Formulieren KMU hinsichtlich der Bewältigung der Anforderungen gestaltungsoffener Ausbildungsformen Unterstützungsbedarf und wenn ja, wie ist dieser zu charakterisieren?

Literatur:

Straub, E. (2004):Die ausbildende Fachkraft im Zentrum der betrieblichen Lernkultur.in: Bildungspraxis 4/2004, S. 2-6